Ein selbst gewähltes Thema, ein selbst gefertigtes Werkstück und schließlich der große Auftritt
vor vollem Saal – mit der „Großen Arbeit“ stellten sich in diesem Jahr 18 Schülerinnen und
Schüler der Jahrgangsstufe 6 der Montessori-Schule Weißenhorn einer besonderen
Herausforderung. Über Wochen hinweg arbeiteten die Kinder eigenständig an einem Projekt,
das sie sich selbst ausgesucht hatten, und bewiesen dabei nicht nur handwerkliches Geschick,
sondern vor allem Eigenverantwortung, Durchhaltevermögen und Mut.

Das Besondere an der „Großen Arbeit“: Von der Themenfindung bis zur fertigen Präsentation
liegt vieles in der Hand der Kinder selbst. Jede Schülerin und jeder Schüler suchte sich einen
Paten, der bei der Umsetzung mit Rat und Tat zur Seite stand – die eigenen Eltern oder
Geschwister waren dabei ausdrücklich nicht erlaubt. So lernten die Kinder, sich Unterstützung zu
organisieren, Verantwortung zu übernehmen und ein Vorhaben über einen längeren Zeitraum
hinweg selbstständig zu planen und umzusetzen.

Wie vielfältig die Interessen und Talente der Sechstklässler sind, zeigte sich eindrucksvoll an der
Bandbreite der Projekte. Technisch besonders anspruchsvoll wurde es bei den fahrbaren
Werkstücken: Oskar Nentwich baute ein Dreirad mit Tretantrieb und E-Unterstützung, während
Paul Raschke ein komplettes Tandem fertigte. Mit viel Liebe zum Tier entstanden artgerechte
Behausungen – von Felix Peschmanns liebevoll eingerichtetem Aquarium über Sina Rainers
Schildkröten-Außengehege und Ellen Theiß’ winterfestem Meerschweinchenstall bis hin zu
Lukas Bischofs Katzenhaus, das er eigens für die Katzenhilfe Langenau anfertigte.

Handwerklich überzeugten zahlreiche Holzarbeiten: Philipp Rahn zimmerte eine Holzkiste,
Magdalena Kast einen Strandkorb aus Holz, Marlene Fürstenberg baute einen Pool für den
Garten, Laura Rothbrust gestaltete ein Regal um und Ella Müller fertigte einen praktischen
Organizer fürs Büro. Kreativ und textil wurde es bei Louisa Lenhards Partnerpulli, Jolanda Rieß’
selbst gehäkelter Mütze, Philipp Brandners genähtem Hoodie und Vivienne Harrers Traumfänger
aus Makramee. Künstlerisches Geschick bewies Mathilda Kroter mit ihrem Teekannen-Elefanten
aus Ton. Auch kulinarisch hatten die Kinder einiges zu bieten: Mia Gerken backte eine Torte und
Mathilda Orlowitsch stellte ein japanisch-koreanisches Kochbuch zusammen.

Den krönenden Abschluss bildete die Präsentation vor großem Publikum. Der Saal war bis auf
den letzten Platz gefüllt – mit bis zu 200 Zuschauerinnen und Zuschauern, darunter Familien,
Paten und Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler anderer Jahrgangsstufen, die ihren
„Großen“ gespannt zuschauen durften. Ausgestattet mit Mikrofon traten die Kinder
selbstbewusst auf die Bühne, führten das Publikum Schritt für Schritt durch ihr Projekt, erklärten
ihre Vorgehensweise und berichteten offen von Herausforderungen und Erfolgserlebnissen.
Dabei wurde spürbar, wie intensiv sich jedes Kind mit seinem Thema auseinandergesetzt hatte.

Wie sehr die Kinder in ihren Projekten aufgingen, zeigte das Beispiel von Paul Raschke. Für
seinen Tandembau durfte er sogar selbst schweißen und fertigte das Fahrrad nahezu vollständig
in Eigenregie an. „Das Spannendste war, dass ich selber schweißen durfte und im Grunde das
ganze Fahrrad selbst machen durfte“, erzählte er sichtlich stolz. Mit seinem Ergebnis war er
„sehr, sehr zufrieden“ – und auch wenn vor dem Auftritt eine kleine Portion Aufregung
mitschwang, überwog am Ende der Stolz auf das Geschaffte.

Für Frank Elseberg, pädagogische Schulleitung und zuständig für die Mittelstufe, steckt genau
darin der eigentliche Wert der „Großen Arbeit“. „Ich finde diesen Prozess der
Selbsteinschätzung und auch zu sehen, was ich als Kind selbst kann, besonders wertvoll“,
betonte er. Von der Nervosität ganz am Anfang und dem Gefühl „Ich kriege das nicht hin“ bis zu
dem Moment, in dem die Kinder schließlich auf der Bühne stehen und merken: „Ich kann
einfach ganz normal reden“ – und dem Stolz danach, es geschafft zu haben. Das sei keineswegs
selbstverständlich, trage aber entscheidend dazu bei, dass die Kinder „einen deutlichen Schritt
nach vorne“ machten.

Die „Große Arbeit“ ist damit weit mehr als ein schulisches Projekt: Sie stärkt die
Selbstständigkeit, das Selbstvertrauen und die Präsentationsfähigkeit der Kinder und lässt sie
erfahren, wozu sie fähig sind, wenn sie eine eigene Idee von Anfang bis Ende verwirklichen. Für
die 18 Sechstklässlerinnen und Sechstklässler war sie ein eindrucksvoller Beweis ihres Könnens –
und ein Moment, auf den sie zu Recht stolz sein dürfen.